„ITK-Infrastrukturen heute & morgen“

Hans-Joachim Wolff, Vorstand des DVPT, zu den zentralen Themen und Herausforderungen, mit denen sich Anwender aktuell auseinander setzen müssen.

Wo stehen die Unternehmen heute, wenn es um die technologischen Lösungen im Bereich der ITK-Infrastrukturen geht?

Unternehmen stellen sich heute der Frage, welche ITK-Infrastruktur sie beschaffen sollen und  gehen mit den unterschiedlichsten Ausgangs-Situationen ins Rennen. Einige können auf eine saubere aktuelle Basis-Infrastruktur (Verkabelung, aktive Komponenten, Vernetzung) aufbauen, andere haben es jahrelang versäumt, in diese Basis zu investieren. Diese Investitionslücke holt heute diejenigen ein, die sich in der Vergangenheit mit den Themen der modernen Business-Kommunikation nicht auseinandergesetzt haben.

Wer sich heute mit modernen komplexen Kommunikationssystemen beschäftigt, stellt schnell fest, dass eine stabile, verfügbare und sichere IP-Infrastruktur unabdingbar für die dauerhafte Betriebssicherheit ist.

Auch die Themen wie IP V6 und mobile-security nehmen an Bedeutung zu. Die Projekte werden dadurch komplexer, da neben der Telekommunikations-Lösung und den zusätzlichen Applikationen wie UC, FMC oder Video nun auch aktive Netzwerkinfrastruktur inklusive komplexer Konfiguration und gegebenenfalls WAN-Anbindungen mit QOS beschafft werden müssen. Oft ergeben sich Fragestellungen wie Wärmeprobleme durch PoE-Switches, USV-Absicherung von Switches, die für VoIP genutzt werden, oder dem Wunsch der Mitarbeiter, über privat beschaffte Geräte (Smartphone, Tablet etc.) auf Firmenressourcen zuzugreifen.

Grundsätzlich bleibt zu bemerken, dass die Anforderungen an IT und Dienstleister steigen. Diese lassen sich nur über gut ausgebildetes bzw. hoch qualifiziertes Personal beantworten.

Was sind die größten ITK-Herausforderungen bei  Netzen, Diensten, Applikationen?

Auch wenn die bunten Bilder und Präsentationen der Anbieter über die neuen ITK-Systeme und Anwendungen verlockend sind, so wird der ITK-Verantwortliche bei genauer Analyse der Möglichkeiten feststellen, dass neben dem Licht auch ein scharfer Schatten vorhanden ist. Die Anwender sind nun auch besser über die neuen ITK-Anwendungen informiert, nutzen doch viele schon das Smartphone oder sind ganz stolz, mit dem iPad über das Internet zu kommunizieren oder sogar zu telefonieren. Mit diesem Anspruch wird dann die Forderung an die IT herangetragen, mit großer Flexibilität, preisgünstig und sicher auch im geschäftlichen Bereich eine optimale Ausstattung zu erhalten.

Welche Auswirkungen das auf den IT-Betrieb hat, kann beispielhaft wie weiter beschrieben angesprochen werden.

Betrachten wir die Netze wie Fest, Mobil und WAN, so kommen diese gemeinsam und konvergent zur Anwendung. Das Smartphone wird zum Telefonieren im Mobilnetz eingesetzt, ein Client nutzt aber auch Funktionen des heimischen Telekommunikationssystems; und der Zugriff per Web auf die Business-Anwendungen muss dann auch sofort möglich sein. Wo liegt hier die Herausforderung? Die ist in der steigenden Anzahl von Clients, Devices und Netzübergängen zu sehen. Das unter dem Druck, dass IT ein Kostenfaktor ist und Personal auch nicht in ausreichender qualifizierter Form zur Verfügung steht. Die Quadratur des Kreises ist gefordert, unter strengen Auflagen der IT-Security.

Bei den Diensten wie Voice, E-Mail, Fax und Web wird eine hochverfügbare Plattform gefordert, die 24/7 Up-Time hat. Dazu wird dann noch Unified Messaging eingesetzt, die konvergent die Dienste auf einem Server dem User anbietet. Auch hier nimmt die Anzahl der Clients zu, und die Policies, unter welchen Security-Bedingungen operativ der Dienst verfügbar ist, unterliegen dem Datenschutz. Auch die Arbeitnehmer-Vertretung redet mit und fordert den gerechten Schutz des Einzelnen. Zusammen auch eine weitere Herausforderung an den Service-Provider „die IT-Abteilung“.

Unternehmen haben in den vergangenen Jahren die Geschäftsprozesse organisiert, verschlankt und  flexibel an die Anforderungen an den Markt angepasst. Die dazu wichtigen Applikationen wie ERP, CRM und Contact Center wurden in die Abläufe integriert. Die Zugriffe auf die Anwendungen werden dann wieder über die konvergenten ITK-Systeme realisiert. Jetzt erst kommt der Nutzen für das Unternehmen zum Tragen, da hier das Geld verdient wird oder Schaden entsteht, weil gespart wurde. Die nächste Herausforderung der wirtschaftlichen Gestaltung an den IT-Betrieb!

Mit einer positiven Betrachtung ist dann doch insgesamt festzustellen, dass IT die Herausforderungen annimmt und auch meistert – manchmal auch nicht.

Was wird die Zukunft bringen?

Unternehmen müssen ihren Umgang mit ihren ITK-Infrastrukturen im Sinne einer dauerhaften Wettbewerbsfähigkeit überdenken. Insbesondere mittelständische Unternehmen ohne eigene größere IT-Abteilungen müssen Möglichkeiten erarbeiten, wie sie gleichzeitig den laufenden Betrieb erhalten und trotzdem nicht den Anschluss verlieren. Die Entwicklung der nächsten Jahre wird immer schnellere Innovationszyklen und Zwischenstandards hervorbringen, die eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in den Prozessen erfordert. Durch den Paradigmenwechsel von einer Technologie- hin zu einer anwendungsgetriebenen Kommunikation stehen neue Möglichkeiten zur Verfügung, die die bestehenden Kommunikationsprozesse maßgeblich beeinflussen und auch bestehenden Geschäftsmodellen erheblich Vorteile bringen kann. Dabei geht es nicht darum, nur einen neuen Status quo zu den eventuell neuen Kommunikationstools zu finden, sondern eine generelle neue Philosophie im Umgang mit immer wieder neu entstehenden Kommunikationsformen zu erarbeiten.

Ziel muss es also insbesondere für die verschiedenen am Kommunikationsprozess beteiligten Abteilungen sein, alle Möglichkeiten für eine effiziente an der Zukunft ausgerichtete Strategie zu entwickeln, die natürlich das Unternehmen wettbewerbsfähig und erfolgreich am Markt agieren lässt.

Je nach Geschäftsmodell des Unternehmens sind die Zyklen, auf die abteilungsübergreifend reagiert werden muss, unterschiedlich. Stichwort: Die nächsten Generationen Social Media etc. werden kommen. Die technologischen Infrastrukturen stellen also die Basis für diese neuen Möglichkeiten zur Verfügung, haben aber keine so beeinflussende Wirkung mehr wie in den letzten Jahrzenten. Die weitere Entwicklung  ist eher von der Frage geprägt: Wie kommuniziere ich wirtschaftlich, effizient und nah am Kunden über alle Kommunikationsprozesse hinweg.

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