Wie etabliert ist Unified Communication?

Im Interview spricht Detlev Artelt, CEO und Senior Consultant der aixvox GmbH zum Thema Unified Communication.

1. Welche Kommunikationskanäle werden heute überhaupt standardmäßig in den Unternehmen eingesetzt?

Der Standard ist noch recht übersichtlich: Telefon, Fax, E-Mail, Post. Aber natürlich gibt es Unternehmen, die zusätzlich moderne Kanäle wie Web- oder Videokonferenzing und Social Media Plattformen etc. nutzen. Zumeist sind das aber eher die großen Unternehmen, die eine Vielzahl von Kommunikationsdiensten nutzen und UC-System implementiert haben. Sie haben erkannt, dass sie damit Zeit und Geld sparen. Die klein- und mittelständischen Betriebe sind hier noch sehr zurückhaltend. Sie probieren das ein oder andere aus, nutzen es aber nicht konsequent – und professionelle UC-Lösungen findet man hier eher selten.

2. Was sind die großen Herausforderungen im Bereich UC?

Es gibt für Unternehmen zwei Kernaufgaben bei der Implementierung von UC-Lösungen. Zum einen müssen die Verantwortlichen klar festlegen, welche Kommunikationskanäle künftig genutzt werden sollen. Hier gilt es herauszufinden, über welche Wege die Kunden erreicht werden wollen – und auch wie die interne Kommunikation unter den Mitarbeitern effizienter gestaltet werden kann. Eine externe neutrale Beratung kann hier oft sehr hilfreich sein, um die richtige Strategie zu entwickeln.

Zum anderen ist es wichtig, nach der Implementierung eines UC-Systems, die Mitarbeiter sorgfältig im Umgang damit zu schulen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber oftmals leider nicht. Da werden dann gerne von der IT-Abteilung 30-seitige Handbücher an jeden verteilt und dann soll man sehen wie man damit klarkommt. Das erklärt auch, warum viele UC-Systeme gar nicht voll genutzt werden. Nur wer die Mitarbeiter richtig motiviert und mitnimmt, erhält am Ende den gewünschten Erfolg.

3. Was kann ein gutes Präsenzmanagement leisten?

Jeder kennt ja diese kleinen fiesen Zeitdiebe: Wieder und wieder versucht man vergeblich mit einem gewünschten Ansprechpartner in Kontakt zu treten. Daraus resultieren dann „neumodische“ Angewohnheiten, wie das beliebte „Anrufbeantworter Ping-Pong“ oder die „Bitte-Rückruf Mails“. Das Ergebnis ist eine enorme Zeitverschwendung die, je nach Arbeitsumfeld, schnell 20 bis 30 Minuten pro Tag erreichen kann. Eine Lösung könnte hier die Einführung von Präsenzmanagement sein. Dieses Verfahren visualisiert die Verfügbarkeit zur Kommunikation von Menschen, egal an welchem Standort. Dazu wird neben dem Namen oder dem Bild jeder Kontaktperson quasi eine Ampel angezeigt, die signalisiert, ob und über welchen Kanal sich ein Kontaktversuch in diesem Moment lohnt. Das spart Zeit und beschleunigt die Arbeit.

Momentan ist das hauptsächlich für die Unternehmensinterne Kommunikation verfügbar, weil die Nutzung einer einheitlichen Software Voraussetzung ist. Doch meine These ist, dass es in Zukunft möglich sein wird, z. B. über Social Media Kanäle, jedes Präsenzmanagement-System anzudocken und entsprechend zu vernetzen.

4. UC ist eine Grundvoraussetzung für Mobiles Arbeiten. Doch wird diese Mobilität überhaupt genutzt?

Die Technik für Mobiles Arbeiten ist komplett ausgereift vorhanden. Es gibt wirklich wunderbare Werkzeuge in diesem Bereich. Jeder UC-Anbieter stellt heute Applikationen für eine Vielzahl von Standardgeräten zur Verfügung.

Der Grund warum Mobiles Arbeiten noch nicht selbstverständlich stattfindet ist, dass in den Unternehmen hierfür keine klaren Regeln definiert sind. Die meisten Betriebe können nur sehr schwer vom alten „Nine-to-Five“ Muster mit der bewährten Stechkarte loslassen. Sie wissen nicht wie sie Mitarbeiter kontrollieren sollen, die flexibel und mobil arbeiten. Doch es wird ein Umdenken stattfinden müssen, denn qualifizierte Fachkräfte fordern immer mehr das flexible Arbeiten mit modernster Technik.

5. UC in der Cloud – wie ausgereift ist das?

Es gibt erste Anbieter, die UC-Lösungen für die Cloud offerieren. Die Art und Weise dieser Lösungen variiert jedoch noch stark. Oft sind es keine wirklich professionell zu nutzenden Systeme. Eine funktionsstarke und ausgereifte Variante fehlt bisher am Markt. Doch die Ansätze sind da und es wird hier in sehr großen Schritten vorangehen. Gerade kleine- und mittelständische Betriebe werden davon profitieren, denn sie werden in die Lage versetzt, UC-Systeme einfach einzuführen und zu nutzen. Bisher benötigt man für das Verwalten einer UC-Lösung in Eigenregie entsprechend qualifizierte Mitarbeiter sowie darauf abgestimmte Hard- und Software.

Das wird übrigens auch ein wichtiges Thema in unserem Panel auf der Voice + IP sein.

6. Sie sind Keynote-Speaker und Moderator des Panels „Unified Communication & Collaboration“ auf der kommenden Voice + IP. Was erfahren die Fachbesucher hier?

Sie erfahren wie Unternehmen heute über alle Kommunikationskanäle hinweg effizient kommunizieren können – aus Anbietersicht und aus Sicht eines neutralen Beraters. Wir haben für das Panel die wichtigsten Player im Bereich UC-Systeme, wie Siemens, Microsoft, Avaya und Swyx zusammengebracht. Sie werden konkrete Lösungsansätze präsentieren und diese anhand von Best Practice Beispielen veranschaulichen. In einer Podiumsdiskussion im Anschluss werden unterschiedliche Aspekte kontrovers diskutiert. Jeder, der Input und Inspiration im Bereich UC sucht, ist hier genau richtig!

Erfahren Sie mehr im Panel „Unified Communication & Collaboration“ im Rahmen des Konferenzprogramms der Voice + IP am 31. Oktober 2012, 11.00 – 13.00 Uhr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.