IT, Cloud und Social Media in der Kirche

Sebastian Parker, Leiter des Referats Zentrale Dienste und Karsten Schmitz, Leiter des Referates Organisation und Informationstechnologie bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Kirchenverwaltung Darmstadt sprechen im Interview u.a. über den Einsatz von Social Media und Cloud Computing in kirchlichen Einrichtungen.

In welchem Bereich ist Ihre Einrichtung tätig?

Die EKHN ist eine von 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie besteht aus 1170 Kirchengemeinden. Die Verwaltungsaufgaben, d.h. die Finanz- bzw. Personalverwaltung sowie der Baubetreuung, werden in zehn Regionalverwaltungen, dem Evangelischen Regionalverband in Frankfurt und der Kirchenverwaltung als Dienstleistung zusammen erbracht. Die EKHN und ein Großteil ihrer Einrichtungen sind rechtlich selbstständige Körperschaften öffentlichen Rechts. Sie besitzt 1,7 Millionen Gemeindemitglieder und ist Arbeitgeber für ca. 21.000 Beschäftigungsverhältnisse.

Der überwiegende Teil der gesamtkirchlichen IT-Verfahren, wie die Personalverwaltung, das Melde- und Finanzwesen oder die Kindertagesstätten-Abrechnung werden durch das kirchliche Rechenzentrum ECKD zur Verfügung gestellt. Neben der Steuerung gesamtkirchlicher IT-Services durch die Kirchenverwaltung, stellt sie für die Einrichtungen der EKHN den zentralen Zugangsknoten zum Intranet und das dienstliche E-Mailsystem für derzeit 7.500 AnwenderInnen zur Verfügung.

In wieweit ist bei Ihnen mobiles Arbeiten bereits integriert?

Mobiles Arbeiten ist für eine begrenzte Zahl von Mitarbeitern über klassische Notebooks mit UMTS-Unterstützung bereits seit 2006 möglich. Wir sind gerade dabei die mobile Kommunikation auf eine größere Mitarbeiterzahl auszubauen. Der Zugang soll dabei mit Tablet-PC und Smartphones ermöglicht werden. Die  Mitarbeiter erhalten damit einen einfachen Zugriff auf ihre dienstliche E-Mail-Kommunikation, Daten oder den Kalender. So wollen wir unseren Mitarbeitern modernes Arbeiten ermöglichen und der auch in der Kirche stattgefundenen starken Arbeitsverdichtung Rechnung tragen.

Jeder spricht von der Cloud: Setzt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Cloud Computing ein?

Wenn sich Ihre Frage auf den Einsatz von Public-Cloud bezieht, dann ist die Antwort Nein. Formale, rechtliche Gründe im Datenschutz hindern uns daran. Die EKHN besitzt aber mit ihrem kirchlichen Rechenzentrum, der ECKD, das im Übrigen im Jahr 2011 den Cisco Innovation Award 2011 in der Kategorie „Most Innovative Cloud Offering of the Year“ gewonnen hat, einen Privat-Cloud-Anbieter. Deshalb war es eine logische Konsequenz unsere neue Telefonanlage künftig als Cloud-Lösung zu beziehen. Das ist zwar ein recht neues Verfahren und es gibt noch nicht viele cloudfähige Telefonanlagen, aber auf diese Weise gliedern wir den Betrieb und den Support für die Telefonanlage in unser kirchliches Rechenzentrum aus und entlasten damit die Mitarbeitenden im IT-Bereich.

Wie kamen Sie auf die Idee aus der Cloud zu telefonieren?

Hintergrund war, dass wir für die Verwaltung in Darmstadt eine neue Telefonanlage benötigen und einige weitere kirchliche Einrichtungen und Regionalverwaltungen mit ähnlichen Bedarfen etwa zeitgleich auf uns zukamen. Die von uns bereits ausgesuchte Telefonanlage hätte einige kleinere Verwaltungseinheiten mit aufnehmen können, aber den Aufwand für den Support hätten wir alleine mit dem bestehenden Personalkapazitäten nicht stemmen können. Hinzu kommt, dass bereits das Ende der klassischen PSTN, bzw. von ISDN absehbar ist und damit auf die Kirchengemeinden und anderen Einrichtung der EKHN Umstellungen zukommen werden.

Welche Rolle spielt Social Media in der Landeskirche in Hessen und Nassau?

Wir sind natürlich in diesem Bereich aktiv. Allerdings setzen wir diese Kommunikationsformen zielgruppenspezifisch ein und überlegen, ob die Adressaten über diese neuen Medien erreichbar sind. So ist beispielsweise Social Media in der theologischen Ausbildung ein größeres Thema als etwa in der Seniorenarbeit. Um die Bedeutung von Social Media zu unterstreichen, hat die EKHN das Thema im Rahmen ihres Projekts zur Entwicklung eines neuen Medien- und Kommunikationskonzepts aufgegriffen und entwickelt hierfür eine entsprechende Strategie.

Wo sehen Sie im Bereich IT-Sicherheit die größten Herausforderungen?

Im Aufbau eines angemessenen und sehr effizienten IT-Sicherheitsmanagement-systems in den komplexen Organisationsstrukturen der EKHN. Dabei gilt es, die Sicherheit in den IT-Verfahren dauerhaft sicherzustellen und gleichzeitig darauf zu achten, dass sehr flexible bzw. agile Lösungsmöglichkeiten nicht behindert werden, um auf die sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen professionell reagieren zu können.

Was sind in Zukunft geplante IT-Projekte?

Neben der geplanten Einführung von Thin Clients, die weniger Energie verbrauchen, als klassische PCs und damit das Thema Green-IT vorantreiben, steht die Einführung eines Dokumenten-Managementsystems an. Bei letzterem steht sicherlich auch wieder die Entscheidung, On-premise, Cloud oder hybrid an.

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