Neue Arbeitsmodelle durch digitale Kommunikation

Digitale Kommunikationsformen erobern gesellschaftliche und ökonomische Bereiche. Insbesondere mobile Endgeräte verändern zunehmend das Gesamtbild. Im Handel wird diese Entwicklung besonders durch die zunehmende Verlagerung der Einkäufe ins Web deutlich, in der Industrie hingegen durch die fortschreitende Digitalisierung produktiver Prozesse.

Inzwischen kann theoretisch jeder im „Digital Business“ von überall auf der Welt arbeiten, gute Internetverbindung und Stromversorgung vorausgesetzt. Einschränkungen gibt es kaum, dank Kollaborationswerkzeugen und Enterprise 2.0-Anwendungen für die online-gestützte Teamarbeit, virtuellen Telefonanlagen, Video-Meetings, Messenger-Systemen und sicherer Anbindung an das Firmennetzwerk über VPN. Aus dem Arbeitszimmer wird ein virtueller Arbeitsraum. Auch im Business-Bereich schreitet der Generationswechsel voran – bald stammt ein Großteil der Angestellten aus einer Generation, die sich durch den selbstverständlichen Umgang mit den digitalen Kommunikationsmedien charakterisiert.

Der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) formulierte in der Studie „Arbeit 3.0“ konkrete Handlungsempfehlungen. Dieser Studie zufolge arbeitet, zusätzlich zu Mails- und Kalender-Checks auf dem Weg zur Arbeit, fast jeder Zweite (45%) zumindest hin und wieder von zu Hause aus, ein Drittel aller Berufstätigen sogar regelmäßig. Mit geteiltem Echo: Auf der einen Seite gewinnen die Beschäftigten persönliche Freiheiten und sind motivierter. Auf der anderen Seite bremsen flexible Arbeitsmodelle die Karriere und hemmen die Kommunikation mit den Kollegen. Vor allem aber forcieren sie die Vermischung von Beruf und Freizeit.

Diese Vermischung ist vor allem im internationalen Business nahezu unvermeidbar. Wo Kommunikation auch zu ungewöhnlichen Zeiten notwendig ist, hilft es nur wenig, abends die Server abzuschalten oder schematische Gesetze für ein „Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“ zu formulieren, die jener gewonnenen Flexibilität statische Grenzen setzen. Den Arbeitnehmern kommt ein hohes Maß an Selbstverantwortung und -organisation zu, genauso wie bei der Einnahme der sozialen Rolle als Teammitglied. Wer bei aller Digitalisierung noch als Kollege mitsamt seinen Arbeitsergebnissen wahrgenommen werden will, muss aktiv dafür Sorge tragen.

Umgekehrt müssen Arbeitgeber entsprechende IT-Tools für den sozialen Austausch zu Verfügung stellen und die Erwartungen an ihre Mitarbeitern bezüglich ständiger Erreichbarkeit und Aktivität eingrenzend definieren. Leistungen sollten objektiv an der Zielerreichung gemessen werden, nicht an der Anwesenheit bzw. Erreichbarkeit. Sonst laufen sie in Gefahr, ihre wichtigste Ressource – nämlich motivierte Mitarbeiter – zu überfordern und gegebenenfalls auch zu verlieren.

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