Facebook vs. YouTube

Über eine Milliarde Videos wurden 2014 in Facebook angesehen – täglich. Das größte soziale Netzwerk konnte mit Einführung der Autoplay-Funktion für Videos die Abrufzahlen erheblich steigern und damit am bisherigen Platzhirschen YouTube vorbeiziehen.

Wird Facebook die Google-eigene Videoplattform langfristig ersetzen? Wie wirkt sich die Entwicklung auf die Verteilung der Mediabudgets aus? Boris Wollny, Geschäftsführer von Betamodus und ein Urgestein auf dem Gebiet der Onlinekommunikation, engagiert sich u.a. auch in den Fokusgruppen Social Media und Bewegtbild des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) – und gibt im Interview mit dem Connected-Blog wertvolle Hintergrund-Infos.

Onlinemarketing auf Facebook liegt im Trend – wie lange noch?

Trotz stagnierender User-Zahl hat Facebook bei nahezu allen relevanten Kennzahlen unverändert die Nase vorn und wird auch in Zukunft die Trends der Onlinekommunikation prägen. Einer dieser Trends ist die verstärkte Verwendung von Bewegtbild: Über die Hälfte aller weltweit geteilten Videos laufen über Facebook. Gleichzeitig bietet Facebook inzwischen vermehrt Werbeformate mit Videoeinbindung an.

Wieso ist die Verbreitung von Video-Ads über Facebook so interessant für Werbetreibende?

Die soziale Interaktion ist höher als auf anderen Videoplattformen, sofern ein Video den Nerv der User trifft und gerne geteilt wird. Außerdem hat sich Facebook in sehr kurzer Zeit an die Spitze des mobilen Markts katapultiert: Knapp ein Viertel der Nutzung mobiler Inhalte entfällt auf Facebook und Instagram. Das ist mehr, als alle anderen relevanten Netzwerke wie Google, Twitter oder Yahoo, gemeinsam aufbringen.

Der durchschnittliche Facebook-User greift dabei rund ein Dutzend Mal am Tag zum Handy, um seine Timeline zu sichten. Hier sieht er automatisch ablaufende Video-Ads, die auf seine Interessen ausgerichtet sind.

Wo sehen Sie das größere Potenzial für Marketer, die mit Videomaterial im Onlinemarketing punkten wollen: Eher auf Facebook oder auf YouTube?

Im Marketing gilt es, die Zielgruppe in der jeweiligen Kaufentscheidungsphase abzuholen. Mit Blick auf die Customer Journey kann es sich daher durchaus auszahlen, beide Kanäle zu bespielen, um die Reichweite und Sichtbarkeit zu optimieren. YouTube als zweitgrößte Suchmaschine im Netz hat die bessere Einbindung in die Google Suche – Stichwort Universal Search. Das Engagement hat hier einen langfristigeren Effekt. Facebook wirkt eher kurzfristig mit starkem Fokus auf mobile Kommunikation und User-Interaktion. Beide Plattformen können sich in ihrer Wirkung gut ergänzen.

Welche Werbemöglichkeiten mit Video-Einbindung bietet Facebook an?

Die Video-Ads können im Werbeanzeigenmanager von Facebook oder über den Power Editor erstellt werden – durch Upload entsprechender Werbevideos oder in Form von Page Post Ads durch Verwendung bereits geposteter Videobeiträge. Ebenso ist die Schaltung von Video Ads im Managed Service möglich.

Da Facebook im Bewegtbild-Markt großes Potential sieht, wird hier viel getestet und ständig weiterentwickelt. Da entwickelt sich so schnell Neues, dass man sich kontinuierlich damit beschäftigen muss, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Welche Voraussetzungen müssen für Video Ads erfüllt werden?

Das Startbild sowie die ersten drei bis vier Sekunden sind entscheidend: Hier zeigt sich, ob der Nutzer die Botschaft aufnimmt oder wegklickt bzw. weiterscrollt. Gleichzeitig muss das Video auch ohne Ton eine Geschichte erzählen, denn bei Autoplay wird kein Ton abgespielt. Und es sollte natürlich eine Handlungsaufforderung (Call-to-action) an den Nutzer enthalten sein.

In YouTube lassen sich die jeweiligen Zielgruppen für Anzeigenschaltungen genau auswählen. Wie verhält sich das auf Facebook?

In Facebook kann die Zielgruppe unter anderem nach Demographie, Interesse und Verhaltensweisen ausgewählt werden. Hier wird das Targeting immer granularer. Über „Custom Audience“ können speziell Gruppen auf Facebook angesprochen werden, mit denen ein Unternehmen auf anderen Kanälen, also z.B. über die eigene Webseite oder eine App, Kontakt hatte.

Ist der Einsatz von Facebook Video Ads auch in der B2B-Kommunikation sinnvoll?

Die Facebook-User sind zwar in erster Linie privat dort unterwegs, aber natürlich tauschen sie sich auch beruflich miteinander aus und sind für Informationen empfänglich, die ihren Job betreffen. So hat Facebook mittlerweile trotz Spezialnetzwerke wie LinkedIn oder Xing weltweit die größte B2B-Reichweite. Hier kann sehr gut mit Erklärvideos oder mit Unternehmens- und Mitarbeitervideos im Recruiting gearbeitet werden.

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