Handel im Wandel

Handel im Wandel

Oberflächlich gesehen, ist der stationäre Einzelhandel im Wettbewerb mit dem Online-Handel durch höhere Raum- und Personalkosten, Probleme mit der Infrastruktur (Parkplätze) und begrenzten Öffnungszeiten benachteiligt. Aber er hat auch einen bedeutenden Vorteil auf seiner Seite: Nach wie vor bevorzugen es die meisten Menschen, durch reale Einkaufswelten zu bummeln anstatt in virtuellen Katalogen, die Produkte vor dem Kauf anzufassen, zu testen, anzuprobieren und sofort mitzunehmen. Zumal die persönliche Beratung von Mensch zu Mensch weder durch automatisierte Avatare noch durch Live-Chats zu ersetzen ist.

Das reale, traditionelle Einkaufserlebnis im Laden allein reicht aber nicht mehr aus. Der jüngst erschienen Oracle-Studie „Retail Without Limits – A Modern Commercial Society“ zufolgewünschen sich 57 Prozent eine stärkere Verzahnung von Online-Konzepten und stationärem Filialgeschäft – in Deutschland sogar 70 Prozent. Die Kunden fordern ein Zusammenspiel der digitalen und realen Welt: Sie wollen sich nicht auf eine Form des Einkaufens festlegen, sondern größtmögliche Flexibilität und gleichzeitig alle Vorteile, mit denen Online-Shopping sie verwöhnt: schnelle Produktrecherche mit detaillierten Informationen, unabhängige Preisvergleiche, aktuelle Verfügbarkeitsangaben, zeitnahe Lieferung und komfortables Genießen.

Modernes Shopping beginnt online bei einer der gängigen Suchmaschinen oder der Produktsuche von Amazon. Wer im Internet nicht gefunden wird, spielt einfach nicht mit im Wettbewerb. Deshalb ist die Präsenz im Internet mit einer eigenen Website für jeden Anbieter unabdingbar. Je nach Strategie gehört zum Online-Auftritt auch ein Webshop oder der Produkt-Vertrieb über gängige Marktplätze wie eBay und Amazon. Das bringt Umsätze – und auch erhebliche Kaufimpulse für das Ladengeschäft. 39 Prozent der deutschen Kunden recherchieren laut der Studie „Zukunft und Potenziale von Location-based Services für den stationären Handel“, u.a. vom Handelsverband Deutschland (HDE), zuerst online, bevor sie das gesuchte Produkt anschließend im Geschäft kaufen.

Die Kunden sollten einen umfassenden Eindruck vom Angebot, Preisniveau und Services erhalten. Gerade bei letzterem Punkt können stationäre Händler wichtige Pluspunkte sammeln, indem sie ihre Angebote mit realen Leistungen vor Ort verbinden, z.B. Änderungs- und Reparaturservice, sofortige Abholung, schneller Umtausch etc. Das Potential dieser Faktoren ist so groß, dass selbst rein onlinebasierte Big-Player wie Amazon, Zalando oder Mymuesli nach Konzepten suchen, sich mit eigenen Shops in den Shoppingmeilen zu etablieren .

Zur Verbindung von Offline- und Online-Shopping gehören aber auch neue Konzepte im Laden selbst: Zum Beispiel schnellere, komfortablere Check-Outs und Payment-Prozesse, die sich dem Online-Shopping-Erlebnis angleichen und lange Warteschlangen an der Kasse ersparen. Oder die vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit Augmented Reality bieten: Mit mobilen Endgeräten (und künftig auch Datenbrillen) können die Kunden mit der Realität interagieren, sich durch Shoppingmalls navigieren lassen, Kleidungsstücke virtuell in Showrooms anprobieren. Und beim Blick auf eine Produktverpackung automatisch weitreichende Informationen über den Inhalt erhalten, inklusive Allergieinformation, Herkunftscheck sowie live aktualisierten (individuellen) Rabatten und Verfügbarkeits-Angaben. Derartiges wurde bereits vor Jahren mit der Lego Digital Box realisiert, ein Kiosksystem, das es weltweit in allen Lego Stores möglich macht, Produktboxen ganz ohne Smartphone zu scannen und sich das fertiggebaute, animierte Produkt noch vor dem Kauf anzuschauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.