Messen rüsten auf

Europäische Messen rüsten auf

Die europäischen Messegesellschaften stehen trotz ihrer Führungsrolle im internationalen Messewesen und dem Wachstumstrend der vergangenen Jahre unter hohem Druck. Einerseits drängen viele neue, internationale Anbieter auf den Markt, andererseits wächst das Angebot an Messealternativen durch digitale Medien und virtuelle Realitäten. Gleichzeitig werden die Marketing-Budgets der Unternehmen immer straffer, da immer mehr Kanäle um Stücke vom Kuchen buhlen.

Neben der Entwicklung neuer Messekonzepte versuchen die Messegesellschaften, sich durch Attraktivitätssteigerung vom Wettbewerb zu differenzieren. „Der Marketing-Euro der Unternehmen kann nur einmal ausgegeben werden“, erklärt Wolfgang Marzin, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. „Wir müssen uns viel einfallen lassen, um Messen in Kombination mit der Digitalisierung als die nach wie vor attraktivsten Kommunikations-, aber auch Absatzplattformen zu erhalten.“ Dazu gehört, das bestehende Angebot kontinuierlich verbessern und durch neuartige Leistungen, Produkte und Services zu erweitern – mit Hilfe der digitalen Technologien.

Die Deutsche Messe AG in Hannover erklärte bereits 2007 das Internet zum „Wachstumsfeld Nummer eins“. Es sei zwar keine Konkurrenz zu Messen, könne aber hervorragend zum zweiten Standbein des Unternehmens werden. Sie gründete die 100%-Tochtergesellschaft Deutsche Messe Interactive (DMI) und entwickelte, wie auch die Konkurrenz an fast allen anderen Standorten, eine ganzjährige Online-Plattform für Aussteller, die zusätzliche Leads generiert. Ähnlich agierte die Messe Frankfurt mit ihrem B2B-Portal productpilot.com und diversen digitalen Business Matchmaking-Angeboten, für die inzwischen ein eigener Bereich „Digital Business“ verantwortlich zeichnet. Unter der Marke Dexperty pflegt und erweitert sie beständig das digitale Service-Portfolio für Aussteller und Besucher. Dazu gehören natürlich auch „value added services“, kommerzielle Vermarktungsangebote wie bspw. Banner-Werbung, AdWords-Services und mehr. Aber auch infrastrukturelle Maßnahmen, wie die ganz neuen WLAN-Stelen, die den Fachbesuchern auf dem Messegelände Internetzugang mit hoher Bandbreite und Kapazität bieten und gleichzeitig als Aufladestation dienen.

Das ist ganz im Sinne der „Digital Declaration“, in der sich die 18 Mitglieder der European Major Exhibition Centres Association (EMECA) für 2015 auf die massive Vorantreibung der Digitalisierung verständigt haben. Auf der Agenda der wichtigsten europäischen Messeplätze stehen dabei zahlreiche Projekte:

  • Digitalisierung von unternehmensinternen wie auch öffentlichen Prozessen (z.B. Online-Ticketing, Online-Registrierung, Flächen-Buchung etc.)
  • Realisierung von umfassenden Informations- und Recherche-Möglichkeiten, die im Internet (barrierefrei) zur Verfügung gestellt werden
  • Gewährleistung eines reibungslosen Datenverkehrs durch den Auf- und Ausbau einer stabilen und breitbandigen Infrastruktur auf den Messegeländen
  • Entwicklung neuer Services und Produkte für Aussteller, wie Möglichkeiten zur Online-Werbung, elektronische Verzeichnisse, multimediale Präsentations-Portale oder auch Unterstützung beim Online-Marketing für den Messeauftritt
  • Einführung neuer onlinegetriebener Anwendungen, die z.B. auch bei Kongressen zur Anwendung kommen können, wie Twitter-Streams, Fernübertragung von Präsentationsfolien auf mobile Endgeräte, Video-Streams, interaktive Tools für Live-Abstimmungen, Fragen und Antworten, Brainstorming, Umfragen oder Programminformationen.
  • Apps für mobile Endgeräte, die neben eventbezogenem Content, Hallenplänen, Ausstellerkatalogen und Zusatzinformationen auch mit Networking-Funktionen echten Mehrwert liefern.

Diese Lösungen bieten die Basis für weitere Innovationen, die in naher Zukunft eine Rolle spielen können. Zum Beispiel Technologien wie NFC oder iBeacons, die derzeit von zahlreichen Messegesellschaften getestet werden. Vorerst mit ernüchterndem Ergebnis: Die Reichweite der Anwendungen ist noch zu gering, die Qualität der Hardware nicht durchgängig hoch, der Wartungsaufwand immens. Die Messe Frankfurt hat seit Januar 2015 ein iBeacon-Paket im Angebot, welches die Standfläche der Aussteller im virtuellen Raum vergrößert. Zusammen mit Ausstellern wie Tesa lotet sie die Möglichkeiten und Potentiale aus, um dann mit fundiertem Know-how weitere sinnvolle, operative Anwendungen zu entwickeln, die das Matchmaking-Potenzial auf Messen erhöhen.

Ein ähnlich spannendes Feld bieten Wearables wie Smart Watch, Google Glass & Co. Sollten sie den Sprung vom Hype zum Alltagsbestandteil schaffen, könnten sie kundenspezifische Informationsangebote wie intelligente Werbeflächen oder Virtual Reality Anwendungen möglich machen. Derzeit scheint es aber noch ein langer Weg zu sein, bis sie sich auch im Umfeld von Großveranstaltungen oder Messen integrieren lassen.

Ein Gedanke zu „Europäische Messen rüsten auf“

  1. Guten Tag,

    die Ergänzung des Messestandangebotes, um online Aktivizäten sind sehr zu begrüßen, da damit die Reichweite des Messeauftrittes des Ausstellers sehr vergrößert wird und damit auch der Erfolg der Messe an sich. Zu beachten finde ich, dass die Onlineaktivitäten einen Mehrwert im Bezug auf den Besuch an sich beinhalten und das Interesse an einem Messebesuch verstärkt.

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