digitales messemarketing interview henric uherek

Digitales Messemarketing bietet die Plattform zur Vernetzung von realer und digitaler Welt

Wohin die Reise im Bereich digitales Messemarketing 2017 geht und welche  Herausforderungen auf Messeveranstalter und Messeveranstalter zukommen erklärt Henric Uherek, Digital Coordinator Messe Frankfurt.

  • Künstliche Intelligenz, Big Data, Automation – 2016 haben sich jede Menge spannender Technologien rasant (weiter) entwickelt. Welche digitalen Marketingtrends für 2017 lassen sich daraus aus Ihrer Sicht ableiten?

Generell wird sich der Trend der vergangenen zwei Jahre in Richtung Realtime-Kommunikation weiter fortsetzen. Treiber sind hier vor allem die großen Agenturen. Die mittelstandgeprägte deutsche Industrie – unsere Haupt-Zielgruppe – adaptiert solche Trends wesentlich langsamer. Hier haben sich erst in jüngster Vergangenheit Digitalwerbung und Social Media etabliert. Trends wie Personalisierung, Realtime-Marktplätze, Marketingautomation und die bessere Segmentierung von Zielgruppen sind hier derzeit noch Zukunftsmusik, werden aber im kommenden Jahr bei der breiten Masse der Unternehmen ankommen.

  • Welche dieser Trends spielen im Messeumfeld eine wichtige Rolle?

Was wir früher als Event-Kommunikation bezeichnet, heißt heute „Live Communication“ und ist ein großer Trend für 2017. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie Themen für ihre digitale Kommunikation brauchen, dass sie ihre Marken spürbar und erlebbar inszenieren müssen. Hierfür müssen Unternehmen mit ihren Zielgruppen in realen Räumen interagieren – egal, ob das auf einer Messe, einem Event, in einem Popup-Store oder Showroom stattfindet. Einige digitale Brands wie Zalando suchen sich dafür gezielt Spaces und eröffnen Outlet-Stores. Wir bieten mit unseren Messen ebenfalls diesen realen Platz. Und mehr noch: Wir bieten die ideale Plattform dafür, reale und digitale Welt zu verknüpfen. Unternehmen, denen diese Vernetzung gelingt, verschaffen sich damit derzeit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Dennoch erkennen viele Aussteller noch nicht das Potenzial dieser Verknüpfung für digtales Messemarketing. Unsere Aufgabe ist es daher, unseren Kunden zu vermitteln, wie sie unsere digitalen Leistungen optimal nutzen können, um die Zielgruppen, die wir bündeln, auf sich aufmerksam zu machen. Denn die Vorbereitung und der eigentliche Messebesuch finden heute schon zum Großteil digital statt. Wir sehen anhand unserer Nutzerzahlen, dass jeder Messebesucher uns auch online besucht. Das heißt, die Zielgruppen, die die Aussteller erreichen wollen, kommen zuerst zu uns, auf die Veranstaltungs-Website und nutzen auch immer stärker unsere Apps. Den Weg von der Messeseite über die Ausstellersuche bis hin zur Unternehmens-Website oder dem Messestand, flankieren wir mit zahlreichen Maßnahmen. Wir übernehmen hier die Rolle des Katalysators, der das Marketing der Aussteller verstärkt. Es gibt bereits einige Aussteller, die diesen Trend verstanden haben, und sich mit kleinen Ständen präsentieren, aber digital scheinbar omnipräsent sind.

  • Wenn Sie über 2017 hinausblicken – welche großen Trends sehen Sie für die weitere Zukunft?

Zu den spannendsten neuesten Entwicklungen zählt der Einsatz von Augmented und Virtual Reality. Das ist eine Herausforderung für unser Kerngeschäft, auf die wir dadurch reagieren, indem wir uns heute schon im Rahmen unserer Initiative Digitale Transformation Gedanken über Messekonzepte der Zukunft machen. Dann werden zwei Aspekte eine große Rolle spielen: persönliche Kommunikation und digitale Produktpräsentation. Messestände sind dann zweigeteilt, in ein Areal mit Sitzgelegenheiten zur persönlichen Begegnungen und auch Exponaten – was nach wie vor eine Stärke der Messe ist – und einen zweiten Bereich, in dem Produkte digital auf Bildschirmen und mit Datenbrillen präsentiert werden. Beide Tendenzen werden sich konzentrieren und professionalisieren: auf der einen Seite ein authentisches, emotionales Markenerlebnis und auf der anderen Seite eine effiziente, sehr weitreiche Informationsübermittlung, die abgebildet in virtuellen Räumen ebenfalls sehr starke, emotionale Markenerlebnisse gestattet. Und da sind wir wieder bei der Verknüpfung beider Welten für digitales Messemarketing. Das sehe ich bei der breiten Masse aber erst in den kommenden fünf bis zehn Jahren.

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