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Messen werden virtueller, erlebbarer

Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) mausern sich von reinen Spaß-Anwendungen zu nützlichen Mehrwert-Tools für Unternehmen und Kunden. Auch im Messebereich setzen Aussteller und Veranstalter auf diese Technologien. Wir sprachen mit Simone Pfisterer, Mesago Messe Frankfurt GmbH, die als Bereichsleiterin für die Servparc – eine Veranstaltung, die in diesem Jahr mit einem innovativen neuen Set-up an den Start geht – bereits erste Erfahrungen mit dem Einsatz dieser neuen Technologien gesammelt hat.

Virtual Reality und Augmented Reality nehmen in vielen Bereichen an Fahrt auf. Auch im Messebereich?

Auf jeden Fall, denn dieses Technologien bieten Ausstellern die Möglichkeit, aus der Masse hervorzustechen, zu begeistern und in Erinnerung zu bleiben. Denn die meisten Stände bieten Informationen, Snacks oder gute Gespräche. Aber die Interaktion mit einer digital erweiterten Realität durch AR oder der Eintritt in neue digitale Welten, den Virtual Reality möglich macht, bleiben eine einzigartige Erfahrung. Unternehmen können so eine ganz besondere Geschichte erzählen und Messebesucher für den eigenen Stand oder das eigene Produkt begeistern. Schon jetzt setzen immer mehr Unternehmen darauf, ihre Standfläche virtuell zu erweitern.

Haben Sie Beispiele für konkrete Anwendungen?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. So werden zum Beispiel Printmedien, wie Messekataloge, Kundenbroschüren oder Produktkataloge mit Augmented Reality-Elementen angereichert. Oder auch das Rollup-Display, aus dem eine Person heraustritt und das Unternehmen vorstellt oder ein Produkt erklärt. AR und VR bietet zudem eine spannende Lösung, wenn Aussteller das gesamte Produktsortiment aufgrund von Platzmangel nicht präsentieren können.

Mit Hilfe von AR lässt sich der Kontakt der Messebesucher mit dem Unternehmen intensivieren und die Verweilzeit auf dem Stand steigern. Beispielsweise kann man eine virtuelle Messe-Tour gestalten, bei der sich Besucher in einer Art Schnitzeljagd von Station zu Station bewegen. Sie erhalten dabei dank einer entsprechenden App auf dem Tablet oder Smartphone zusätzliche Informationen und werden gleichzeitig unterhalten.

Bei Virtual Reality sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Hier können beispielsweise Produktneuheit rein virtuell präsentiert oder gar ganz neue Welten erschaffen und digital erlebbar gemacht werden.

Im direkten Umfeld der Servparc, den Geschäftsfeldern Facility Management und Industrieservice, wird durch die Visualisierung mit AR und VR zum Beispiel ein Blick auf große Maschinen oder Anlagen oder auch ein Rundgang durch ganze Gebäude möglich.

Was bieten Sie als Veranstalter Ausstellern und Messebesuchern in diesem Bereich konkret?

Als wir Anfang 2018 im Rahmen der Vorgängerveranstaltung die Vision der Servparc erstmals Ausstellern und Besuchern präsentiert haben, war uns klar, dass wir das neue Format für alle Beteiligten erlebbar machen mussten, um die Branche zu begeistern und uns deren Commitment zu sichern. Das ist uns mit einer Nachbildung des neuen Set-Ups in Kombination mit einer AR-Anwendung gelungen. Dem Modell konnte man die unterschiedlichen Themenbereiche schon entnehmen, aber erst bei der Zuhilfenahme eines iPads wurden sie mittels AR mit Leben gefüllt, es bewegten sich Menschen über die Ausstellungsflächen und an Info Points konnte man nähere Informationen zu den einzelnen Stationen nachlesen. Das kam bei allen Beteiligten sehr gut an, weil es einfach mal etwas anderes war und wir gezeigt haben, dass wir die Veranstaltung völlig neu denken wollten.

In der Ausstellerakquise haben wir dann später auf eine klassische Ausstellerbroschüre verzichtet und stattdessen eine AR-App für Mobiltelefone und Tablets programmieren lassen, in der ein virtueller Kundenberater durch die einzelnen Beteiligungsmodelle führte. Mithilfe eines Flyers bzw. am Bildschirm mithilfe eines digitalen Markers erschien „Viktor Virtuell“ immer in dem Umfeld, auf das die Kamera gerade gerichtet war. Auch das war für viele Aussteller eine spannende neue Erfahrung.

Wann macht Ihrer Ansicht nach der teilweise recht kostenintensive Einsatz derartiger Technologie für Aussteller Sinn?

Einfachere, aber gleichzeitig immer noch spannende AR-Anwendungen lassen sich für ein überschaubares Budget realisieren. Passt die Idee zur angepeilten Zielgruppe macht der Einsatz von AR sicherlich Sinn. Genauer hinschauen muss man bei aufwändig und teuer produzierten VR-Projekten. Hier sollten Unternehmen wirklich ganz genau die Kosten-Nutzen-Relation abwägen, damit es nicht nur ein Prestige-Projekt wird.

Spinnt man den Gedanken weiter, könnten komplette Messen im virtuellen Raum stattfinden. Wie realistisch erscheint Ihnen dieses Szenario?

Der Gedanke ist nicht neu und es wurden auch bereits rein virtuelle Messen durchgeführt. Dabei lässt sich mit virtuellen Messen einiges umsetzen, vieles jedoch nicht. Es fehlt das tatsächliche Messe-Flair und die intensiven Gespräche. Denn Messen sind vor allem eines – Begegnungsstätten. Und die tatsächliche Begegnung mit den richtigen Leuten, Stichwort Business-Matching, das wollen Messebesucher weiterhin haben und dafür gehen sie auf Messen. Doch wird sich der Charakter der Messen durch die weitere Digitalisierung, also auch durch Augmented und Virtual Reality, verändern. Die Stände und Produktpräsentationen von Ausstellern und auch Veranstaltern werden in Zukunft digitaler und interaktiver. Zudem werden auf der Messe gebotene Inhalte als eine virtuelle und unbegrenzt verfügbare Nachlese immer wichtiger. Deshalb benötigen erfolgreiche Messen in Zukunft beides: Eine nachhaltig beeindruckende, motivierende Live-Inszenierung, die die richtigen Menschen zur richtigen Zeit Face-to-Face zusammenführt verbunden mit einer wachsenden Virtualisierung der Inhalte.

Frau Pfisterer, vielen Dank für das Gespräch.

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