Unternehmen aller Branchen – egal, ob aus dem B2B- oder B2C-Bereich – setzen heute auf Influencer-Marketing. Sie profitieren vom Vertrauen, das die Follower den Bloggern, Instagrammern oder YouTubern schenken. Und klar: Je mehr Fans ein Influencer zählt, desto effektiver eine Influencer-Kampagne. Oder doch nicht? Tatsächlich ist Reichweite allein nicht ausschlaggebend. Denn gerade sogenannte Micro-Influencer mit einer kleineren Follower-Zahl zeichnen sich oft durch eine besonders treue Fangemeinde aus, die sich intensiv mit den Inhalten der bisweilen nischigen Spezialgebiete und damit auch mit den Posts der Micro Influencer beschäftigt.

Weniger Reichweite, bessere Ergebnisse

Micro-Influencer zeichnen sich in erster Linie durch zwei Merkmale aus: Ihre geringere Reichweite und einen engeren Themenfokus. Eine fest definierte Anzahl an Followers gibt es für die Einstufung als Micro-Influencer allerdings nicht. Die Größen schwanken hier von 250 bis 5.000 Followern, aber auch Zahlen von 1.000 bis 10.000 Followern sind gängig. Weil ihre Fangemeinde so klein ist, gelingt es diesen Influencern auch, mehr Nähe zu ihrem Publikum herzustellen. Das zahlt sich in jeder Hinsicht aus: Kampagnen mit Micro-Influencern liefern im Durchschnitt 60 Prozent mehr Engagement, sind 6,7-mal kostengünstiger und führen zu 22,2 Prozent höheren Konversionsraten.

Die richtige Zielgruppe auf dem Silbertablett

Ein besonderer Vorteil von Micro-Influencern ist, dass sie über genauer definierte Fangemeinden verfügen. Werbungtreibende profitieren hier von der größeren Wahrscheinlichkeit, dass ihre Markenbotschaften auch die richtigen Personen erreichen. Ein Beispiel: Setzt ein Reifenhersteller als Influencer auf einen Formel-1-Star mit Millionen Followern, von denen sich aber nur ein geringer Anteil für Reifen interessiert, erzielt es einen geringeren Werbeeffekt als mit einem Micro-Influencer, der sich dem Spezialthema „Reifen“ verschrieben hat und dessen 5.000 Follower genau für dieses Thema brennen.

Richtig suchen und ansprechen

Ein Startpunkt für Unternehmen kann es sein, Micro-Influencer zu finden, die das eigene Unternehmen und damit zusammenhängende Themen schon in ihrem Content thematisieren. Nützliche Tools hierfür sind Talkwater Alerts und Google Alerts – oder die einfache Suche über Hashtags in den verschiedenen Social-Media-Kanälen. Gleiches gilt übrigens auch für die Namen der Wettbewerber. Der schnellste und unkomplizierteste Weg, um auf Micro-Influencer zuzugehen, ist der Kontakt per E-Mail, in der Unternehmen eine mögliche Partnerschaft oder Zusammenarbeit skizzieren können. Wichtig ist es dabei, die eigene Marke, das Produkt oder die Dienstleistung ehrlich und leidenschaftlich vorzustellen. Denn meist haben auch die Micro-Influencer selbst viel Zeit investiert, ihre Social Media Accounts aufzubauen und zu kuratieren. Im ersten Kontakt können Unternehmen auch unverbindlich nach dem Preismodell der Influencer fragen, um einschätzen zu können, ob es neben der Thematik auch zum Budget passt. Dabei kann es durchaus sein, dass Micro-Influencer damit zufrieden sind, mit Produkten bezahlt zu werden. Das funktioniert allerdings nur noch in Ausnahmefällen. Die Frage nach dem Preismodell zeigt dem Influencer jedoch, dass möglichweise ein gewisses Budget für die Kooperation bereitsteht. Sollte der erste Kontaktversuch via E-Mail unbeantwortet bleiben, sollten Unternehmen den Kontakt mit einer Direktnachricht an den Social-Media-Account versuchen.

Bei einer positiven Rückmeldung, gilt es im Anschluss die Art und Weise der Zusammenarbeit zu definieren und zu planen. Hier unterscheiden sich die Herangehensweisen bei den Influencern mit unterschiedlichen Followergrößen nicht groß. Was zu beachten ist, um eine erfolgreiche Influencer-Kampagne aufzusetzen, haben wir im Blogbeitrag „Erfolgreiches Influencer-Marketing für B2B-Kunden“ bereits vorgestellt.

Mitarbeiter als Micro-Influencer

Viele Unternehmen vergessen, dass ihre eigenen Mitarbeiter ebenfalls als Botschafter der Marke wirken können. Schließlich sind sie in gewissen Positionen und Funktionen Branchenexperten. Insofern ist ihr Wissen wertvoll für andere Branchenvertreter. Dabei zeigen diese Mitarbeiter häufig schon entsprechendes Engagement auf Social Media – und agieren bereits als Influencer. Unternehmen können dies noch fördern, indem sie geeignete Personen identifizieren und bei deren Social-Media-Aktivitäten unterstützen. Förderlich ist es dabei, den Kollegen einen gewissen Freiraum zu schaffen.

Dem IT-Unternehmen IBM gelingt diese Herangehensweise sehr gut. IBM stellt seinen Angestellten bereits aufbereitete Social-Media-Inhalte zu Produkten und Dienstleistungen zur Verfügung, die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis verbreiten können. Oder Cisco: Das Unternehmen im Bereich B2B-Kommunikations- und Netzwerktechnologie setzt auf einen speziellen Ansatz für das Influencer-Marketing und entwickelte das Cisco Champions-Programm. Im Rahmen dieses Programms werden IT-Experten, die über ihre Expertise sprechen, zu Micro-Influencern – natürlich immer auch mit Bezug zu Cisco-Produkten.

Micro-Influencer-Marketing geht nicht nebenbei

Gerade B2B-Unternehmen mit speziellen Themenzuschnitten sollten sich bei Kampagnen mit dem Thema Micro-Influencern beschäftigen – und von deren interessierter und stabiler Fangemeinde profitieren. Zudem ist der finanzielle Aufwand meist sehr überschaubar. Doch gilt es auch hier, dass die Suche nach dem geeigneten Partner extrem wichtig ist und letztendlich über den Erfolg der Kampagne entscheidet. Deshalb sollten Unternehmen die gleiche Sorgfalt hinsichtlich Recherche, Planung und Umsetzung walten lassen wie bei der Zusammenarbeit mit Mega-Influencern. Wie Influencer-Marketing grundsätzlich funktioniert, lesen Sie hier.