Bei der Vielzahl an Produkten und Angeboten wollen sich Unternehmen beim eigenen Messeauftritt informativ und emotional in Szene setzen und so vom Wettbewerb hervorheben. Mit digitalen Lösungen können sie genau dies erreichen. Messeveranstalter schaffen dabei die richtige Umgebung. Christopher Sicurella, Teamleiter Vertrieb bei Fairconstruction, dem Messebauunternehmen der Messe Frankfurt, spricht darüber, was in Sachen Digitalisierung im Stand- bzw. Messebau aktuell gefragt, und was im Kommen ist.

Herr Sicurella, wie wirkt sich der allgemeine „Digitalisierungstrend“ auf den Messebau aus?

Wie in anderen Branchen nimmt der Trend „Digitalisierung“ auch im Messebau Fahrt auf. Aussteller, die keine Produkte sondern Dienstleistungen anbieten, können ihr Unternehmen und Serviceportfolio durch den Einsatz digitaler Medien wirkungsvoller präsentieren und Details erklären.

Auch die Produktpräsentation im Rahmen einer Fachmesse lässt sich mit digitalen Services informativer oder auch emotionaler gestalten: Touchscreens und Standmöbel mit interaktiven Displays unterstützen die ausgestellten Produkte in ihrer Wirkung auf den Fachbesucher. Und Emotionen können durch das Einspielen von Videos am Messestand geweckt werden. Unternehmen nutzen diese vor allem, um die Werte einer Marke zu transportieren und den Standbesuch mit positiven Assoziationen anzureichern. Auch der Unterhaltungsfaktor wird hier zunehmend wichtiger.

Mit dem „Digitalisierungstrend“ werden auch Ihre Kunden, also Aussteller und Veranstalter, konfrontiert. Mit welchen Ideen und Herausforderungen kommen diese auf Sie zu?

Wir bekommen unterschiedlichste Anfragen und unsere Lösungen sind deswegen meistens maßgeschneidert. Bei der Realisierung arbeiten wir mit einem starken Netzwerk regionaler und überregionaler Partner zusammen. Gemeinsam beraten wir die Kunden, welche Konzepte sinnvoll und zielführend sind. Derzeit sind Veranstalter zunehmend an digitaler Wegführung interessiert. „Digital Signage“ gibt dabei sowohl räumliche als auch thematische Orientierung. Messe- und Kongressbesucher werden von einem Highlight zum anderen geleitet, auf wichtige Informationen hingewiesen und erhalten einen Überblick über das laufende Veranstaltungs- und Vortragsprogramm.

So werden beispielsweise Social-Media-Walls nachgefragt. Diese zeigen in Echtzeit Beiträge zu der jeweiligen Veranstaltung in den sozialen Medien. Dazu kreiert der Veranstalter zuvor einen eigenen Hashtag. Nicht nur die Besucher vor Ort, sondern interessierte Social-Media-User aus der ganzen Welt können über diesen Hashtag die Beiträge zu der jeweiligen Veranstaltung mitverfolgen, Fragen stellen, kommentieren und teilen. So werden Informationen über die Veranstaltung gestreut und die Interaktion unter den Teilnehmern intensiviert. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl.

Fast schon zum Standard geworden sind Livestreams in Social-Media-Kanäle. Die Übertragung einer Diskussionsrunde, einer Produktpräsentation oder einer Preisverleihung direkt vom Messestand aus, ist gängige Praxis.

Auch setzen Aussteller gerne auf Interaktion, um Besucher länger am Stand zu binden und zu unterhalten. So können beispielsweise die Bewegungen der Besucher eine Effektbeleuchtung am Messestand steuern.

Welchen Mehrwert bietet die Einbindung von digitalen und interaktiven Elementen Ausstellern bzw. Veranstaltern und Messebesucher?

Ein großer Vorteil von digitalen Angeboten bietet die Möglichkeit der Interaktion: Hier hat der Besucher zeitweise Einfluss auf seine Umgebung oder auch Kontrolle über bestimmte Aktionen. Er bleibt nicht bloßer Konsument, sondern bestimmt den Verlauf des Geschehens mit. Er wird Akteur und Kollaborateur innerhalb der präsentierten Markenwelt.

Steuert der Besucher eine Lichtinstallation oder einen Roboterarm via Touchscreen oder Gesten, so bleibt diese Aktion grundsätzlich in positiver Erinnerung. Im Idealfall teilt er sein Erlebnis sogar, was heute bedeutet, dass es auf unterschiedlichen Social-Media-Kanälen verbreitet wird. Damit wird der Besucher zum Meinungsmacher, Multiplikator, Kommunikationskanal – was für Veranstalter und Aussteller gleichermaßen interessant ist. Es ist zeitgemäß dem Messebesucher in dieser Art positive Eindrücke von der Veranstaltung und dem Messeauftritt zu verschaffen.

Haben Sie Beispiele, wo sich digitale Elemente als besonders hilfreich erwiesen haben?

Auf der Fachmesse Automechanika haben wir im Rahmen des „Innovation Awards“ eine sehr gute Resonanz zu einer interaktiven Lichtinstallation erhalten. Dafür haben wir handliche Bausteine mit QR-Codes versehen. Sobald der Besucher diese in entsprechend präparierte Slots an einem Terminal einsetzte, zog sich eine LED-Lichtspur bis zu drei Bildschirmen, auf denen dann die Award-Gewinner mittels Produktfilm vorgestellt wurden. Natürlich wurden hierbei auch die Halle und die Standnummer eingeblendet, um den Besucher gleich zum Hersteller zu lenken.

Bei der Servparc, dem Branchen-Treff für Facility Management, Industrieservices und IT, kam unsere Digital Signage-Lösung gut an. Dort waren über dem zentralen Catering-Bereich für Aussteller und Besucher in der Mitte der Halle, großformatige, individuell ansteuerbare LED-Panels installiert. Diese schwebenden Informationsquellen wiesen immer aktuell auf die bevorstehenden Programmpunkte der drei Bühnen hin, kündigten Coffee Breaks an und füllten die Zeit dazwischen mit interessanten Informationen.

Wohin wird sich Ihrer Meinung der Trend noch entwickeln?

Digitale Medien werden in Zukunft einen noch größeren Stellenwert bekommen. Durch sie lassen sich zusätzliche Informationen ergänzen, Emotionen schaffen und Besucher in den Bann ziehen. Neben den bereits gängigen Dingen wie Touchscreens oder Lichtinstallationen werden sich durch die stärkere Verbreitung im Privatleben – Stichwort Gamification – Augmented und Virtual Reality weiter etablieren.

Allerdings sind digitale Angebote kein Allheilmittel. Wenn zum Beispiel Küchengeräte vom Starkoch im Rahmen von Live-Cooking demonstriert werden und die fertigen Gerichte vom Publikum probiert werden können, kann in puncto Erlebnis keine Medienproduktion mithalten. Letztendlich gilt es, die richtige Mischung zu finden, um das Messeerlebnis optimal zu ergänzen. Aber bei allem digitalen „Feuerwerk“ bleibt eines beim alten: Messen sind und bleiben der Ort, wo sich Menschen nicht digital, sondern im persönlichen Gespräch begegnen, um Geschäfte miteinander zu machen. Und das wird auch so bleiben.

Herr Sicurella, vielen Dank für das Gespräch.