Corona hat die Messewirtschaft – und damit verbunden die Aussteller und Fachbesucher – vor riesige Herausforderungen gestellt. Ein Aspekt neben vielen ist die Frage, wie Business-Kontakte aufrecht gehalten werden können und wie sich Aussteller und Fachbesucher jetzt und künftig austauschen. Die Messe Frankfurt erweitert ihre digitalen Services, um den Wirtschaftsbranchen auch in Krisenzeiten ein guter Partner für geschäftliche Begegnungen zu sein. Welche Services das konkret sind, verrät uns Ellen Matheis, Koordinatorin Product Management Web Solutions bei der Messe Frankfurt.

Frau Matheis, in diesem Monat stellen Sie neue Features in den Navigator Apps der Messe Frankfurt vor. Worauf dürfen sich Messeteilnehmer freuen? 

Die Aussteller und Besucher der Messe Frankfurt können sich auf das Business-Networking-Tool „connect!“ freuen. Das Tool wird voraussichtlich ab September in den veranstaltungsbezogenen Navigator Apps verfügbar sein und ermöglicht allen registrierten Messeteilnehmer, sich untereinander zu vernetzen und über die Chatfunktion auszutauschen. Vorstellen werden wir „connect!“ erstmals zur Automechanika Sneak Preview. Bei diesem digitalen Angebot an Automechanika-Kunden sammeln wir erste Nutzer-Erfahrungen im Umgang mit dem Networking-Tool. Dieses erste Feedback hilft uns, die Funktion für die folgenden Messen weiterzuentwickeln.

Außerdem bieten wir den Fachbesuchern in der Aussteller- und Produktsuche eine noch bessere Orientierung bei zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen: Die Paperworld, Creativeworld und Christmasworld finden parallel statt und haben auch jeweils ihre eigene Navigator App. Interessiert sich beispielsweise ein Fachbesucher der Christmasworld auch für Aussteller der Creativeworld, so muss er sich nicht beide Apps herunterladen. Die Aussteller- und Produktsuchen dieser drei Parallelveranstaltungen können miteinander verknüpft werden. Folglich kann sich der Fachbesucher der Christmasworld auch einen Aussteller der Paperworld in der App und auf der Website aufrufen und dann in seiner persönlichen Merkliste speichern – ein großes Plus in puncto Usability.

Was bieten die neuen Funktionen den Ausstellern und Fachbesuchern im Detail?

In unseren regelmäßigen Gesprächen mit Ausstellern und Fachbesuchern wurde der Wunsch immer lauter, schneller neue und qualifizierte Leads auf den Veranstaltungen der Messe Frankfurt zu finden. Bei einer Fachmesse wie der ISH mit über 2500 Ausstellern und rund 200.000 Fachbesuchern aus aller Welt auch nicht einfach! Das Business-Networking-Tool „connect!“ bietet diese Möglichkeit. Jeder registrierte User erhält die Möglichkeit, sein persönliches Profil zu erstellen. Darin ordnen sich Aussteller wie auch Fachbesuchern nicht nur einer bestimmten Branche zu, sondern können auch detaillierte Angaben zu ihren Produktgruppen und Interessensgebieten machen.

Darüber lassen sich dann interessante und relevante Kontakte selektieren. Diese können dann direkt via integriertem Chat kontaktiert werden. Im ersten Schritt geht es also um eine rein digitale Kontaktaufnahme – schnell und unkompliziert. Danach ist der Weg für ein persönliches Kennenlernen am Messestand frei.  Über die verschiedenen Filterfunktionen in „connect“, die nicht nur die verschiedenen Branchen einer Fachmessen, sondern die verschiedenen Produktgruppen umfassen, lässt sich detaillierter nach interessanten Kontakten und potenziellen Leads suchen. So stößt der User vielleicht auch auf den ein oder anderen bereits bekannten Geschäftspartner, der aber in Vergessenheit geraten war oder sein Produktportfolio über die Jahre erweitert hat. Das Tool ist damit für Fachbesucher und Aussteller gleichermaßen eine tolle Unterstützung in ihrer Messevorbereitung.

Gibt es auch Herausforderungen für die erfolgreiche Etablierung des Networking-Tools „connect!“? Ich denke da an die große Anzahl der Messen und Veranstaltungen der Messe Frankfurt und an das Thema Datenschutz.

Die größte Herausforderung ist die Qualität der Daten. Ein Networking-Tool kann nur funktionieren, wenn die Messeteilnehmer bereit sind, ihre Daten zur Verfügung zu stellen und wenn diese aussagekräftig und valide sind. Außerdem sollten die Messeteilnehmer natürlich bereit sein, die neue Funktion zu nutzen, d.h. bei Kontaktanfragen zeitnah zu reagieren. Auch die Anzahl derer, die das Tool nutzen, sind relevant für dessen Erfolg. Hier liegt die kritische Größe bei 20-25 Prozent der Messeteilnehmer.

Datenschutz ist immer ein zentrales Thema, auf das wir allergrößten Wert legen. „connect!“  ist so aufgebaut, dass nicht von Anfang an alle Daten für sämtliche Nutzer freigegeben sind. Natürlich sollten der Name des Kontakts, das jeweilige Unternehmen sowie die Branchenzugehörigkeit, Interessen und Angebote für alle zugänglich sein. Erweiterte Daten wie die eigene Telefonnummer oder Mailadresse kann der Teilnehmer dann ganz individuell freigeben. Jeder Anwender hat hier die Entscheidungsfreiheit, was er von sich preisgeben möchte. Die gesamte Kommunikation, die unter den Nutzern stattfindet, ist verschlüsselt und privat. Die Messe liest nicht mit und speichert keine Daten. Und natürlich kann sich der Nutzer jederzeit wieder abmelden, bzw. sein Profil deaktivieren und seine Daten löschen. 

Durch die Corona-Krise und der dadurch bedingte Ausfall von Fachmessen und Business-Plattformen wurde sehr deutlich, wie wichtig physische Treffen für ein erfolgreiches B2B-Geschäft sind. Kann die App der Messe Frankfurt auch unterstützen, wenn eine physische Messe nicht möglich ist?

Prinzipiell ja, da alle Applikationen auch für rein digitale Veranstaltungen genutzt werden können. Zudem können diese Services unterstützen, wenn physische Messen – wie in den letzten Wochen auf Grund der Corona-Krise – nicht möglich sind. Die Automechanika Sneak Preview im September ist eine digitale Vorschau auf die verschobene Fachmesse, die nächstes Jahr wieder in Frankfurt stattfindet. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist das Matchmaking und Networking. Und das bieten wir den Teilnehmern erstmalig mit der App.

Die App an sich fungiert als Ausgangspunkt für alle digitalen Angebote, z.B. aktuelle News aus den Unternehmen und zu neuen Produkten sowie Events. In der App lassen sich auch Live-Streamings einbinden bzw. auf Social-Media-Kanäle wie YouTube weiterleiten. Hier ist die Nutzung genauso individuell wie unser breites Veranstaltungsportfolio: Einige Aussteller nutzen diese Möglichkeiten sehr umfangreich, andere experimentieren noch. Ich denke, dass die Messeteilnehmer hier in naher Zukunft noch einige Erfahrungen sammeln werden, wenn Veranstaltungen in hybrider oder digitaler Form stattfinden. Unser Ziel ist es, den Teilnehmern möglichst viele unterschiedliche Optionen zu bieten, untereinander in Kontakt zu treten und sich die Informationen einzuholen, die für ihr Business relevant sind.

Können Sie uns schon einen Ausblick in die fernere Zukunft geben? Mit welchen digitalen Angeboten werden Sie das Messeerlebnis für Aussteller und Besucher noch attraktiver machen?

Wir planen vor allem weiter in Richtung Künstliche Intelligenz. Beispielsweise arbeiten wir bereits seit längerem am Thema „KI in der Ausstellersuche“. Dabei geht es unter anderem darum, das Vorschlagswesen dahingehend zu optimieren, dass dem Besucher die zu seinem Klick-Profil passenden Kontakte automatisch angezeigt werden. Das würde eine eigene Recherche ersparen. Zudem bekäme der Nutzer so auch die für ihn interessanten, aber vielleicht noch nicht bekannten, kleineren Aussteller angezeigt, die ansonsten nicht im Fokus stehen. Und gerade diese kleinen Aussteller würden veranstaltungsübergreifend von solchen KI-Angeboten profitieren. Derzeit evaluieren wir verschiedene Optionen und prüfen, wie sich ein entsprechendes Angebot in unsere Apps integrieren lässt.

Parallel dazu arbeiten wir an der Optimierung von weiteren kleinen Services mit großer Wirkung:  z.B. Notizen und Fotos zentral in den jeweiligen User-Profilen unserer digitalen Services abspeichern. Damit kann der Messeteilnehmer die gesammelten Informationen  nach der Messe im Web wie auch in der Navigator App gebündelt abrufen und bequem herunterladen. Das erleichtert den Messebesuch und vor allem die Nachbereitung der Veranstaltung.

Frau Matheis, vielen Dank für das Gespräch!