Semantisches Business Matching

Die Messe Frankfurt entwickelt seit mehreren Jahren unter Mitwirkung zahlreicher externer und interner Experten Online-Portale fürs Business Matching, denen semantische Technologie zugrunde liegt. Henric Uherek, als Internet-Experte der Messe Frankfurt maßgeblich mit diesen Projekten vertraut, erklärt die Hintergründe.

Die Idee von Business Matching klingt so einfach. Ist die technische Umsetzung eine besondere Herausforderung?
Es kommt darauf an, wie man das Thema angeht. Wenn man damit zufrieden ist, z.B. einen Fachhändler für Trompeten mit einem Hersteller von Trompeten zusammen zu bringen, ist die technische Seite wenig anspruchsvoll. Wenn man aber anhand des Interesses an Trompeten weitere Interessen implizieren und bedienen will, wie z.B. an Blasinstrumenten allgemein oder nur solche aus Blech, für die es Zubehör wie Dämpfer, Tonabnehmer, Notenhalter sowie spezialisierte Notenverlage gibt, dann ist die Leistungsfähigkeit von normalen Suchmaschinen schnell erreicht.

Hier kommt dann die „semantische Suchtechnologie“ ins Spiel?
Ja, denn mittels Semantik ist es möglich, unscharfe Suchen zu formulieren, bei denen Daten miteinbezogen werden, die nicht direkt der Suchanfrage entsprechen, aber trotzdem interessant sein könnten.

Dank Semantik lernen Computer also, logisch zu denken?
Ihnen werden vor allem Regeln beigebracht, anhand derer sie logische Schlussfolgerungen aus Beziehungsstrukturen ziehen können. Wenn z.B. „Tom der Vater von Tim ist“ und „Jan der Bruder von Tom“, sagt die Logik, dass Jan der Onkel von Tim ist – obwohl die beiden nur durch eine Regel miteinander verbunden sind: „Der Bruder eines Vaters ist Onkel dessen Sohnes“.
Der Vorteil solcher Regeln ist, dass sie auf beliebige Situationen angewendet werden können. Dafür muss allerdings eine strukturierte Umgebung bestehen, die solche Logik auch zulässt. Sprich: Strukturierte Profile, anhand derer das System mittels logischer Schlussfolgerungen eruiert, welche Anbieter bei Suchanfragen mit welcher prozentualen Priorität in Betracht kommen. Bei jeder völligen Übereinstimmung in einem der relevanten Profil-Aspekte gibt es 100 Prozentpunkte, bei weniger Kompatibilität entsprechend niedrigere Prozentwerte. Am Ende sorgen die kumulierten Werte bei hoher Übereinstimmung für einen „Match“. Die Schlussfolgerungen und Regeln, die wir im System hinterlegt haben, sind das Herz der Technologie und entsprechend geheim.

Semantik bedarf also einer immensen Vorarbeit hinter den Kulissen?
Absolut. Wir müssen uns mit jeder Branche und ihren Eigenarten intensiv auseinandersetzen und antizipieren, wie Angebot und Nachfrage dort genau funktionieren und kommunizieren. Wir arbeiten dabei z.B. mit Experten der Textilindustrie und der Konsumgüter-Branche zusammen. Die logischen Regeln bilden eine Basis, auf der anhand von Feedbacks der Teilnehmer und Analyse des Nutzungsverhaltens kontinuierlich weiter gebaut wird. Die Business-Prozesse, die hier zum Vorschein kommen, bleiben den Messeveranstaltern von realen Messe normalerweise verborgen. Wir können da viel von unseren Kunden lernen.

Welche Rolle spielt die Mitarbeit der Teilnehmer?
Es ist wichtig, dass die Profile der Teilnehmer möglichst vollständig ausgefüllt werden. Dank Checkboxen und Selektions-Listen ist das im Gegensatz zu ausführlichen Freitexten bequem und schnell machbar und in der Regel konkret genug, um präzise Matching-Ergebnisse zu gewährleisten.

Sie setzen die semantische Technologie bereits auf mehreren Business Matching-Portalen ein. Werden sie in Zukunft das normale Messegeschäft ersetzen?
Nein, ganz sicher nicht. Online kann nur eine sinnvolle Ergänzung zu Offline sein. Das Internet spielt vor allem dort seine Stärken aus, wo es um reine Informationen geht. Das ist bei der Erst-Selektion neuer potentieller Kontakte der Fall – und zudem vom Schreibtisch aus auch bequem und kostensparend. Aber es ist wie in anderen Bereichen des Lebens: Man muss dann auch irgendwann raus und die Menschen hinter den Profilen persönlich kennenlernen. Dafür bietet bspw. unser Business Matching-Portal i-tex Texprocess auch gleich die unkomplizierte Terminvereinbarung für persönliche Gespräche auf der Messe-Veranstaltung, inklusive Raumbuchung auf dem Messegelände.

Dieses Interview stammt aus dem Dexperty-Newsletter. Unter diesem Link können Sie den Newsletter ebenfalls abonnieren.

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