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Apps versus Browser: Das Internet im Wandel

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Internet-Nutzung über Smartphones in Deutschland deutlich um 25 Prozent gestiegen: Laut einer Studie des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), Google und TNS Infratest gehen hierzulande täglich mehr als 25 Millionen Menschen mit mobilen Endgeräten ins Internet.

Mit dieser Entwicklung geht eine Veränderung des Internets einher: Während Desktop-User fast ausnahmslos über Browser auf das Internet und die unendliche Bandbreite an Webangebote zugreifen, verlieren Browser auf dem Smartphone stark an Bedeutung. An ihre Stellen treten native Apps, die jeweils nur einen kleinen Ausschnitt des Internets repräsentieren. Beispielhaft für diese Entwicklung stehen die jüngsten Zahlen des App-Analyse-Dienst Flurry vom US-Markt: 2 Stunden und 42 Minuten sind die User täglich online, davon zu 86 Prozent über Apps. Primär nutzen sie mit 32% Spiele, gefolgt von Apps der sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram (17%) sowie Messenger-Diensten wie WhatsApp.

Nur 14 Prozent (22 Minuten) der gesamten Online-Zeit bleiben für das Surfen im offenen Internet mit Browsern.

Einige Faktoren stärken diesen Trend:

  • Das Angebot an speziellen Apps wächst weiter, genauso wie deren Funktionalitäten. Somit gibt es weniger Grund, parallel über einen Browser aufs mobile Internet zuzugreifen.
  • Trotz mobiler Optimierung vieler Webseiten sind die meisten Apps in Sachen Usability und Komfort den „normalen Websites“ weit überlegen. Die relativ kleinen Smartphone-Displays bedingen eine völlig andere technische Herangehensweise, die sich in Browsern nur bedingt umsetzen lässt. So wird die Performance vieler Angebote laut einer BVDW-Studie den Anforderungen und Erwartungen der Nutzer nicht gerecht. Über alle Branchen hinweg wird bemängelt, dass die Seiten unübersichtlich (58 Prozent) und wenig benutzerfreundlich sind (36 Prozent). Auch dass man oft vertikal und horizontal scrollen muss, kritisieren 26 Prozent der Befragten.
  • Obendrein haben Trends meist einen sich selbst verstärkenden Effekt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot – und dieses fokussiert wiederum die Nachfrage auf sich. So kann bereits beobachtet werden, dass sich die Dominanz von Apps auch auf das Engagement seitens der Entwickler und Plattformbetreiber wie Apple oder Google im browserbasierten Web niederschlägt. Es lohnt sich z.B. für Google kaum, viel in die mobilen Webangebote zu investieren, wenn sowieso primär die spezifischen Apps für YouTube, Drive, Maps oder Gmail genutzt werden.

Ein wenig relativiert sich diese Entwicklung durch die zunehmende Verbreitung von Tablets. Diese bieten mit ihren wesentlich größeren Displays nutzerfreundlichere Voraussetzungen für das Internetsurfen mit Browsern. Und nach wie vor verlassen sich Kaufwillige bei der Recherche nach Produkten und Dienstleistungen am liebsten auf ihren Browser und die Freiheit, außerhalb eines von Gatekeepern eingegrenzten Webangebots recherchieren zu können.

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