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Arbeitsplatz 4.0 – wie sieht er aus?

390.000 neue Arbeitsplätze können alleine in Deutschland in den nächsten zehn Jahren durch die digitale Transformation entstehen, wie eine neue Studie der Marktanalyse-Gruppe bcg.perspectives / The Boston Consulting Group (BCG) festgestellt hat. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird sich für die meisten Arbeitnehmer verändern.

Bis es soweit ist, bedarf es jedoch noch eines größeren Verständnisses für die Auswirkungen der Technologie-getriebenen Veränderungen. Sie beeinflussen und prägen nicht nur die Prozesse einer Wertschöpfungskette, sondern haben auch maßgeblichen Einfluss auf die künftige Arbeitsweise der Mitarbeiter.

Wissen siegt

Vor allem das Know-How des Einzelnen rückt mit Blick in die Zukunft immer mehr in den Fokus. Laut der BCG-Studie werden einfache, manuelle Tätigkeiten weniger gefragt sein. Die Nachfrage nach Mitarbeitern mit IT-Kompetenz, die flexible und vernetzte Produktionsabläufe planen, simulieren und überwachen können, wird dagegen wachsen. Routinetätigkeiten im menschlichen Arbeitsprozess würden damit bald der Vergangenheit angehören. Wie sehr sich die Arbeitswelt angesichts des digitalen Wandels verändern wird, zeigen auch die neuen Forschungsergebnisse von Henry Siu, Associate Professor an der Vancouver School of Economics der University of British Columbia und Nir Jaimovich, Professor am Economics Department der Duke University: Demnach basiert das Beschäftigungswachstum der Wirtschaft bereits seit 2001 gänzlich auf Arbeitsplätzen, die keine wiederkehrenden Tätigkeiten mehr enthalten.

Geringqualifizierte dürften deshalb zu den Verlieren des Strukturwandels gehören – das belegt ebenfalls das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Umdenken im Kopf 4.0

Unternehmen haben gelernt, dass sie sich kontinuierlich, teilweise sogar radikal an ein verändertes Marktumfeld anpassen müssen. Prozesse die automatisierbar sind, etwa in der Produktion, wurden bereits digitalisiert oder oftmals auch in Länder und Regionen mit niedrigeren Lohnkosten verlagert. In der Verwaltung hingegen sind Prozesse nur in engen Grenzen durch Informationstechnologien automatisiert worden, wie der Business Technology Report vom Februar 2016 auf Seite 24 beweist.

Aber auch hier wird die Arbeitswelt 4.0 Einzug halten. Für Arbeitnehmer in diesen Bereichen bedeutet das vor allem Eines: Sie werden in der Zukunft flexibler und unabhängiger arbeiten müssen und zunehmend mehr Aufgaben werden automatisiert werden. Das gilt sowohl für den Arbeitsplatz, als auch für die Inhalte.

Das „Verschwimmen der Grenzen“ zwischen Arbeits- und Freizeit, zwischen Arbeits- und Wohnort, Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung fordert zunehmend mehr Eigeninitiative, aber auch regulatorischen Neuerungen. Nicht nur Sicherheitsaspekte, faktische oder gefühlte Überwachung, erhöhte Prozessgeschwindigkeit und der Zwang zu permanentem Lernen sorgen für neue Spannungsfelder. Auch die permanente Erreichbarkeit von Mitarbeitern via Smartphones führt zu einer steigenden Arbeitsbelastung. Die Gestaltung digitalisierter Arbeitsplätze braucht demnach eine Redefinition der Rahmenbedingungen, um zu einem gesunden Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gelangen. Und darüberhinaus von Seiten der Arbeitgeber unterstützte Qualifizierungsangebote, damit alle gemeinsam mit der Entwicklung Schritte halten können.

Ideen und Wertschätzung als Erfolgsmodell

„Menschen werden nach diesem neuen Arbeitsmodell nicht mehr nur Arbeiter sein, sondern werden dazu angehalten ihr Know-How, ihre Kreativität und Intuition in ihre Arbeit mit einzubeziehen“, so Ulrich Klotz , Dipl.-Ing. Elektrotechnik / Informatik an der TU Berlin. Diese Attribute machen den entscheidenden Unterschied zu mechanisierten Arbeitsschritten aus, die alsbald der Vergangenheit angehören.

Hierarchische Ebenen, wie sie aktuell in den meisten Organisationen noch existieren, passen nicht in dieses Bild. Wenn die Struktur nicht zum Prozess passt, seien Folgen wie Demotivation, Frust und Fehlentscheidungen vorprogrammiert, so Klotz.

Ein Modell, das auf gegenseitiger Wertschätzung und daraus resultierender Wertschöpfung beruht, findet sich z.B. in den Open-Source-Gemeinschaften, weltweiten Netzwerken freiberuflicher Programmierer, die beispielsweise große Projekte wie Linux, Firefox oder Wikipedia verwirklichen. Die Programmierer arbeiten in solchen Zusammenschlüssen teilweise sogar unentgeltlich. Primärer Antrieb ist die Zusammenarbeit, die Motivation und Begeisterung, weil sich die Arbeit untereinander wenig hierarchisch, dafür fair, respekt- und vertrauensvoll gestaltet. Führungspositionen kristallisieren sich durch Sachkompetenzen heraus und nicht durch formale Autorität. Durch diese effektivere Arbeitsweise finden auch neue Ideen schneller Akzeptanz als in alteingesessenen Strukturen, meint Klotz. Oftmals sind solche Organisationen bürokratischen Konkurrenten einen Schritt voraus. Vergleichbare Strukturen bilden sich auch in modernen Organisationen heraus und werden insbesondere von hochqualifizierten Mitarbeitern auch eingefordert. Sie sind, gekoppelt mit unternehmensübergreifender Vernetzung, zentrales Element der erfolgreichsten Unternehmen aus der IT-Industrie.

Schritt halten im Kopf

Herkömmliche Unternehmensstrukturen müssen langfristig also überarbeitet werden. Gefordert sind Modelle, die eine intelligentere Zusammenarbeit zulassen. Der Wettbewerb wird sich in Zukunft vor allem durch einzigartige Ideen auszeichnen. Noch immer können viele Arbeitnehmer ihr Potential nicht voll ausspielen, da starre Strukturen Ideenentwicklung und Veränderung blockieren. Hinzu kommt, dass gerade jüngere Mitarbeiter mit guter Ausbildung und höhere Qualifikation nur begrenzt bereit, in verkrusteten Strukturen zu arbeiten. Der demografische Wandel in den entwickelten Industrienationen eröffnet Ihnen die Möglichkeiten auszuwählen. Unternehmen, die mit der digitalen Transformation Schritt halten wollen, müssen demnach nicht nur technisch aufrüsten sondern ebenso auf allen Ebenen an Strukturen und Unternehmenskultur arbeiten, so Klotz abschließend.

Für mehr Information zum Thema Arbeiten 4.0 lesen Sie die Artikel Arbeitswelt 4.0 im Marketing / Personalmarketing und Arbeitswelt 4.0 – Worauf müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter einstellen oder den Artikel „The office of the future“ im Top Fair Magazin

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