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Mobilität 4.0 – Studie zur Digitalen Transformation im Bereich Mobilität & Logistik

Mobilität 4.0 behandelt Themen wie autonomes Fahren, vernetzte Logistikketten, integrierte Personenverkehrssysteme oder auch Drohnen. Damit hält die Digitalisierung des Geschäftslebens auch im Bereich Mobilität und Logistik Einzug.

Mit der Automechanika und der neuen Fachmesse Hypermotion, die den Fokus auf Mobilität und Digitalisierung legt und vom 20. bis 22. November 2017 in Frankfurt erstmalig stattfindet, ist die Messe Frankfurt eng mit der Mobilitäts-Community vernetzt und damit auch wichtige Plattform für diese Themen. Mehr noch, die Messe Frankfurt hat Ende 2016 gemeinsam mit dem Institut für Supply Chain Management, Cluster- und Mobility Management an der International School of Management (ISM), Frankfurt, mit der Studie „Mobilität und Digitalisierung“ die spannende Entwicklung  tiefer ausgeleuchtet.

Grund genug, einmal mit Michael Johannes, Vice President Mobility & Logistics der Messe Frankfurt, über die Studienergebnisse zu sprechen.
Herr Johannes, warum haben sie diese Studie durchgeführt?

Wir sind durch unsere Veranstaltungen im Geschäftsfeld Mobility & Logistics sehr dicht an den Marktentwicklungen und den Zukunftsthemen rund um die Themen Mobilität, Verkehr und Logistik. Um gerade die rasante Digitalisierung bei allen Fragen der Mobilität aktiv zu begleiten, möchten wir unsere Expertise und wertschöpfende, impulsgebende Ergebnisse in den Diskurs der Community einbringen. Dies ist uns mit unserer Studie, die detailliert den voranschreitenden Paradigmenwechsel in der Mobilität belegt, sehr gut gelungen.

Das Spannendste dabei ist, dass sich unser Verständnis von Mobilität gerade  grundlegend wandelt: das „Device“ (z.B. Smartphone) wird wichtiger als das Transportmittel und die Intelligenz  der Mobilität wird sich mehr und mehr vom technischen Asset (Automobil) entkoppeln. Ganz oben auf der Agenda der Befragten steht die Plan- und Vorhersagbarkeit der Reisekette. Planungssicherheit ist entsprechend ein zentrales Entscheidungskritierum bei Mobilitätsentscheidungen. Außerdem wird Mobilität auch nicht mehr als reine Befriedigung eines Transportbedürfnisses verstanden, sondern als Portfolio aus Reisen, Entertainment, Shopping und Arbeit. Im Wettbewerb um den Kunden von morgen sind im Zuge der rasch voranschreitenden Digitalisierung immer diffenziertere und vor allem kundenindividuellere Mobilitätsservices und Dienstleistungen gefragt.

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Sieben vernetzte Themenbereiche auf der Basis der Kernelemente Infrastructure, Equipment und Services & Applications – mit dieser modularen Struktur bildet die Hypermotion die Zukunft intelligenter Verkehrssysteme ab.
 Was sind zusammengefasst die Ergebnisse der Studie ?

Die Ergebnisse lassen sich in fünf Kernthesen zusammenfassen:

1.) Mobilitätsverlagerungen hin zu Share-Economy und neuen digitalen Services

Die Digitalisierung der Mobilität ermöglicht eine Vielzahl neuer Dienstleistungen. Der Markt für Share-Economy wächst kontinuierlich und kann fast als „reif“ bezeichnet werden. Mehr als 15 Prozent der über 500 Befragten nutzen schon heute Gemein-schaftsangebote, insbesondere Großstadtbewohner und junge Menschen, die beispielsweise auch dem Smart Car sehr positiv gegenüberstehen. Autonom fahrende Fahrzeuge werden insbe-sondere zur Senkung von Verkehrsunfällen auf langen Strecken wie beispielsweise der Autobahn von 61 Prozent der Teilnehmer gewünscht. Nur 14 Prozent lehnen autonom fahrende Fahrzeuge generell ab.

2.) Mobilität 4.0 – Digitalisierung als Herausforderung für klassische Automobilhersteller

Traditionelle Unternehmen müssen die Potenziale der Digitalisie-rung erkennen und nutzen. Ansonsten werden sie in die Rolle des reinen physischen Transportdienstleisters fallen oder lang-fristig sogar obsolet. Junge, von der Digitalisierung getriebene Unternehmen wie Uber, Tesla oder Google werden mit ihren digitalen Geschäftsmodellen versuchen, ihre Anteile am sich wandelnden Markt rund um die Mobilität von morgen – auch in Deutschland – massiv auszubauen. Durch ihre Mentalität, die dem Grundsatz „fail fast, fail often“ folgt, erzeugen sie mit ihren neuen Ideen und Konzepten  in den unterschiedlichsten Industrien Disruptionen. Auch hier ist es die junge Generation, die  losgelöst von den klassischen Automobilmarken, nicht zwangsläufig „Benzin im Blut“ hat und somit empfänglicher für die neuen Mobilitätskonzepte erscheint.

3.) Bequemlichkeit wird zum Entscheidungsfaktor

Der Kunde wünscht sich Angebote für seine persönliche Mobilität aus einer Hand. Er erwartet Echtzeit-Information und eine nutzungsabhängige Abrechnung entsprechender Dienstleistungen. Beim Vergleich von Verkehrsmittel-Alternativen spielt nicht nur der Faktor Zeit, sondern auch die Kenntnis zu Problemen entlang der gewählten Route eine wichtige Rolle. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer wünscht sich einen „One-Stop-Shop“, der ihnen anbieterneutrale, transparente Vergleiche verschiedener Routen, Verkehrsmittel und Preise bietet. Und dies ortsunabhängig auf dem persönlichen mobilen Device wie dem Smartphone.

4.) Geringe Bekanntheit und mangelnde Kommunikation von Alternativen

Neue Mobilitätsservices müssen deutlicher kommuniziert und sichtbarer im Markt platziert werden. Gerade ältere Nutzer kennen die neuen Mobilitätsangebote nur selten. Über 40 Prozent der Studienteilnehmer verfügen über keine Erfahrungen mit Angeboten wie Carsharing oder Mitfahrgelegenheiten. 22 Prozent nannten ein mangelndes Serviceangebot in ihrer Region, obwohl teilweise gute Mobilitätsinfrastrukturen existieren.

5.) Fehlende Vergleichbarkeit mangels Leistungsindikatoren für Mobilitätsangebote

Bislang fehlen neutrale Institute oder Apps mit mobilitätsübergreifenden Leistungsindikatoren für Mobilitätsservices, die für Nutzer eine valide Vergleichsgrundlage schaffen. Applikationen wie Moovel oder Qixxit sind noch jung und bieten keine ganzheitliche Funktion zur Planung, Buchung und Abrechnung verschiedenster Mobilitätsdienstleistungen. Insbesondere individuelle Mobilitätskettenvergleiche in Form von Echtzeit-Reportings würden Kunden die transparente und anbieterneutrale Planung und Abrechnung erleichtern.

Und wo wird die weitere Entwicklung hinführen?

Durch die Digitalisierung und die Entwicklung in Richtung autonomes Fahren wird die Bandbreite an Mobilitätsservices deutlich zunehmen. Dabei werden die Convenience der Angebote und deren nahtlose Vernetzung zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Es bleibt abzuwarten, welche zusätzlichen Kernkompetenzen die Automobilhersteller und die heutigen Mobilitätsanbieter im Zuge der Digitalisierung entwickeln, an Zulieferer verlagern oder an Unternehmen im Silicon Valley oder Startups abgeben werden. Der Kunde hingegen wird sich mittelfristig für die bequemste Lösung entscheiden.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Die Studienergebnisse im Detail finden Sie zum Download auf  hypermotion-frankfurt.com oder zur Ansicht auf Slideshare.

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Hintergrundinformation zur Hypermotion

Neue, vernetzte, integrierte und multimodale Systeme und Lösungen – allerdings über alle Verkehrsträger hinweg betrachtet – das ist auch das Thema einer neuen Veranstaltung der Messe Frankfurt: Die Fachmesse Hypermotion, die vom 20. bis 22. November 2017 auf dem Frankfurter Messegelände stattfinden wird, wird flankiert von drei Kongressen zu den Themen Digitalisierung, ITS (Intelligente Transport-Systeme) und Intermodalität. Partner und Unterstützer der Veranstaltung sind das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL) die Deutsche Gesellschaft für Intelligente Verkehrssysteme (ITS Deutschland), der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) und das Deutsche Verkehrsforum (DVF).

Für mehr Informationen zum Thema wichtige Digitaltrends 2017 lesen Sie auch die Artikel Digital ja – aber mit Umsicht, Neue Navigator-App im Usability-Test: Gutes Ergebnis. und Die wichtigsten Digitaltrends 2017.

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