Wie Location-based Services lokalen Einzelhandel stärken können

Viele stationäre Einzelhändler sehen sich durch Online-Anbieter wie Amazon & Co in ihrer Existenz bedroht. Doch auch der stationäre Handel kann von der Digitalisierung profitieren. Geomarketing und Location-based Services sind hier überlegenswerte Ergänzungen zum bestehenden Geschäftsmodell. Doch welche konkreten Einsatzszenarien gibt es dafür?

Eigene Stärken nutzen

Die großen Online-Händler wachsen stetig. Amazon belegt nach Apple bereits Platz zwei bei den wertvollsten Konzernen der Welt. Diese großen Handelsunternehmen stellen ihre Services weltweit bereit und können damit Skalierungsvorteile in der Logistik und im Einkauf nutzen. Gleichzeitig vermeiden sie die Investitions-, Miet- und Personalkosten für das Betreiben stationärer Filialen. Damit können sie oft niedrigere Preise anbieten. Doch trotz aller Bemühungen zur Individualisierung der Angebote können sie zwei Vorteile des stationären Handels nicht ausgleichen: die persönliche Kundenbetreuung und ortsbezogene Dienste. Beide Punkte sind keine Erfindung der Neuzeit, sondern bilden schon immer die Grundlage des Erfolgs im Einzelhandel. So kann der Händler nicht nur im Gespräch die Vorlieben des einzelnen Kunden herausfinden, sondern auch sein Angebot an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Dies reicht vom Eisverkäufer am Badestrand bis zum Autohaus mit Edelmarken in einer Gegend mit hoher Kaufkraft. Im Zuge der Digitalisierung stehen heute jedoch viel mehr Daten zur Verfügung und diese lassen sich mit Hilfe von Software gezielt und detailliert auswerten und im Marketing nutzen. Dies bildet die Grundlage für Geomarketing und Location-based Services, die in unterschiedlichen Ausprägungen für den stationären Handel lukrativ eingesetzt werden können.

Vom kleinen Laden …

Selbst für kleine Läden können sich ortsbezogene Dienste lohnen. In der Regel dürfte die Entwicklung einer eigenen App für sie zu aufwändig sein, es stehen aber oft übergreifende Angebote für Großstädte oder Urlaubsregionen zur Verfügung. Diese werden etwa von der zuständigen Touristeninformation oder privaten Anbietern bereitgestellt. Schon ein einfacher Eintrag kann genügen, damit Besucher oder Einwohner auf den eigenen Laden hingewiesen werden, sobald sie sich in der Nähe befinden.

Auch die Integration in Suchfunktionen nach Shopping-Angeboten – von der Website der Stadt oder Region bis zu Google – sollte geprüft und gewährleistet werden. Darüber hinaus bieten auch Facebook oder Google bereits für kleinste Budgets Werbeoptionen, mit den auf lokaler Ebene ausgesuchte Käuferschichten gezielt angesprochen werden können. Mittlerweile gilt: Wer online nicht gefunden wird, wird langfristig von Stammgäste und einer tendenziell abnehmenden Laufkundschaft leben müssen.

… über große Filialen …

Große Niederlassungen sollten zusätzlich prüfen, ob sich eine Indoor-Navigation lohnt. In riesigen Einkaufshallen fühlen sich häufig Neukunden – oder nach Umbau sowie Neustrukturierung auch Stammkunden – verloren. Wenn das Informations-Desk nicht aufzufinden oder unbesetzt ist, fahren sie häufig ohne Einkauf wieder nach Hause oder zu einem anderen Händler. In diesem Fall kann eine Push-Nachricht mit Hinweis auf eine App hilfreich sein. Mit einem aktuellen Lageplan, einer zuverlässigen Suchfunktion und einer Wegbeschreibung findet der Interessent dann schnell die gewünschten Produkte.

… und Handelsketten …

Noch interessanter sind Location-based Services für Handelsketten. Sie können Kunden noch stärker binden, indem sie ihre Niederlassungen landes- oder gar weltweit in eine App einbinden. So wird ein Stammkunde auch auf Reisen – je nach Verfügbarkeit – auf Filialen seines Lieblingshändlers oder des bevorzugten Markenshops hingewiesen. Hier bieten sich insbesondere Gutscheine, Bonusprogramme oder individuelle Zusatzangebote an. Zudem sind „Marken-Fans“ häufig dazu bereit, sich per Push-Nachricht über neue Angebote oder eine Niederlassung in der Nähe informieren zu lassen.

… bis zu Einkaufszentren…

Besonders spannend sind ortsbezogene Dienste für Einkaufszentren. Diese haben häufig wiederkehrende Kunden, die ständig über neue Läden oder Aktionen informiert werden möchten. Die Neuigkeiten können Besucher schon beim Eintritt in das Zentrum oder in der Nähe des jeweiligen Ladens erfahren. Der Betreiber kann Besucherströme messen und analysieren, um die Verteilung der Shops oder die Wegweisung und die Positionierung von Hinweistafeln zu optimieren. Die Inhaber der Geschäfte erfahren, wie viele Besucher sich zu welchen Zeiten im Laden befinden. Zudem können sie zielgerichtet Kaufanreize schicken, wenn sich etwa ein Kunde längere Zeit in einer Abteilung befindet.

… und Messen.

Heutzutage bieten Messebetreiber eine Vielzahl an digitalen Werbemöglichkeiten für Aussteller an, die vielfach auch Location-based Optionen beinhaltet. So können Aussteller mithilfe einer Navigator-App und einem iBeacon, einem kleinen Sender, der am Stand positioniert wird, Besuchern in der Nähe digitale Daten auf direktem Weg zur Verfügung. Das iBeacon sendet eine Push-Meldung auf das Smartphone des Besuchers, sobald er in der Nähe des Stands ist. So schaffen die Unternehmen gezielte Aufmerksamkeit und ermöglichen es dem Besucher, direkt über sein Smartphone auf Broschüren, Videos und Produktinformationen zuzugreifen.

Kosten und Nutzen abschätzen

Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen und Möglichkeiten der Einzelhändler ist in jedem Einzelfall zu entscheiden, welche Location-based Services sich eignen. Im Zuge des steigenden Wettbewerbs mit Online-Händlern sowie der zunehmenden Digitalisierung und immer günstigeren und einfacher nutzbaren Technologien, lohnen sich Location-based Services für immer mehr Einsatzgebiete. Im Zweifel kann hier ein erfahrener Dienstleister wertvolle Beratung und Unterstützung bieten.

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